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Buchmesse Olten - 1. - 4. November 2012
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Schreibwettbewerb an der Buchmesse Olten

von Melanie Aregger

Im Fluss

Es ist ein herrlicher Herbsttag. Obwohl die Kälte an meinem mich wärmenden Mantel nagt und meinen Atem in feine Dunstwölkchen verwandelt, bin ich schon seit einer geschlagenen Stunde unterwegs. Mein Weg begann genau zu derselben Zeit, als sich die Sonne endlich hinter den sich auflösenden Wolken blicken liess.

Es bereitet mir immer wieder eine grosse Freude, an solchen Tagen einen Spaziergang zu unternehmen. Natürlich dürfen ein warmer Schal, flauschige Handschuhe und eine Wollmütze nicht fehlen. Dazu passende Schuhe und mein Spaziergangs-Outfit ist perfekt.

Seit einiger Zeit marschiere ich nun schon durch den Wald, was mir an meinen Spaziergängen jeweils besonders gefällt. Nun ja, Wald ist vielleicht ein wenig übertrieben. Tatsächlich ist es ein schmaler Weg, welcher auf der einen Seite von hohen Bäumen gesäumt ist. Auf der anderen Seite rauscht der Fluss ruhig und gemächlich neben mir her, als würde er mich auf meinem Weg ohne ein bestimmtes Ziel begleiten.

Die Sonne scheint durch die Bäume und ich bin hingerissen vom Anblick, der sich mir bietet. Dunkelgrünes Efeu rankt sich um die Baumstämme, die Kronen der uralten Waldbewohner werden durch die Sonne, die den Himmel inzwischen ohne Wolken regiert, perfekt beleuchtet. Goldgelbe, orange, blassgrüne und feuerrote Blätter hängen an den Ästen und verwandeln den Wald in ein wahres Farbenspektakel.

Ein einzelnes Blatt der weinroten Sorte löst sich von einem der Äste und ich beobachte, wie es langsam und sanft zu Boden gleitet. Unter mir auf dem steinigen Untergrund knirscht das Laub und ich gehe zielstrebig auf das rote Blatt zu. Als ich es aufheben will, sticht mir etwas Seltsames ins Auge.

Am Ufer des Flusses zu meiner Linken hat sich etwas Glänzendes verheddert. Neugierig gehe ich auf den Rand des Weges zu und erkenne, dass die Sonne für das Strahlen dieses Dinges im Wasser verantwortlich ist. Es handelt sich um eine Flasche. Eigentlich nichts Aussergewöhnliches, in der heutigen Zeit. Aber was ist das?

Befindet sich etwa ein Zettel in der Flasche? Von meiner Neugier gepackt, schreite ich auf das Ufer zu, ziehe meine Handschuhe aus und fische das Glas aus dem Wasser.

Tatsächlich! Es befindet sich wirklich und wahrhaftig ein Zettel in diesem Behälter. Sofort ziehe ich am Kork, welcher die Flasche von der Nässe zuverlässig geschützt hat und versuche, das alte, vergilbte Papier zu befreien. Dies erweist sich als schwieriger als ich zunächst angenommen habe. Nach unendlich langen zehn Minuten habe ich es endlich geschafft! Mit vor Aufregung und auch wegen der Kälte zitternden Händen falte ich das Papier etwas ungeschickt auseinander.

Ich kann es kaum fassen! Zwischen meinen Fingern halte ich einen Brief, welcher bereits vor vielen Jahren verfasst wurde. Es handelt sich um einen ganz besonderen Brief. Einen Liebesbrief. Berührt von den Worten, welche sich an eine bereits verheiratete Frau richten, vergesse ich meine Umgebung beinahe vollständig.

Der junge Mann, welcher den Brief verfasst hatte, beschrieb mit seinen ehrlichen und ausdrucksstarken Worten, wie sehr er die vermeintliche Empfängerin des Briefes begehrte. Dass ihr seine niemals versiegende Liebe gewiss sei, würde sie sich entscheiden, ihren Mann zu verlassen. Er versprach ihr, sie bis ans Ende der Welt zu begleiten, ihr jeden noch so kleinen Wunsch zu erfüllen. Mit der verzweifelten Bitte, mit ihm durchzubrennen und das einfache Leben hinter sich zu lassen, beendete er den Brief und signierte ihn.

Meiner Umgebung langsam wieder bewusst werdend, falte ich den Brief  zusammen und lasse ihn in meiner Manteltasche verschwinden.

Schnurstracks mache ich mich auf den Heimweg, um diesem geheimnisvollen Brief auf die Spur zu gehen.

Zu Hause angekommen starte ich meinen Computer und gebe den Namen dieses geheimnisvollen Poeten in die Suchmaschine ein. Zu viele Informationen werden ausgespuckt. Verflixt! Ich gebe einige weitere Stichwörter zum Namen hinzu. Endlich!

Die Suchmaschine spuckt schlussendlich eine nützliche Information aus.

Beim Anblick des Dokumentes bildet sich ein grosser Kloss in meinem Hals und ich muss feststellen, dass sich meine Vermutungen leider nicht bewahrheiten. Keine Flucht eines sich heimlich liebenden Paares. Nein, die Geschichte ist ganz anders herausgekommen.

Gequält von unsäglichem Liebeskummer hat der Verfasser des Briefes entschieden, nicht nur die Flasche mit seinen bedeutungsvollen Worten im Fluss zu ertränken. Da er den Mut wahrscheinlich nie hat aufbringen können, sprang er in einer kalten Herbstnacht der im Wasser umher schwimmenden Flasche hinterher. Das Dokument, welches ich gefunden habe, ist nämlich eine Todesanzeige dieses Mannes. Der Tag seines Ablebens stimmt mit dem Datum der Flaschenpost überein.

Traurig betrachte ich den Brief, welcher neben meinem Computer liegt. Egal wie schön sich ein Herbsttag mir in Zukunft präsentieren wird, ich werde mich an diese Geschichte beim Anblick des Flusses, welcher mich auch in Zukunft bei meinen Spaziergängen begleitet, immer erinnern.

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