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Buchmesse Olten - 4. - 7. November 2010
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Unter der Flagge der Buchmesse Olten finden im Caveau du Sommelier regelmässig Lesungen statt.

Die Buchmesse Olten serviert im Caveau du Sommelier überraschende Seiten.

Wir informieren Sie an dieser Stelle über weitere Lesungen im Caveau nach den Sommerferien.


Lesung mit Thomas C. Breuer – Oltner Tagblatt

Caveau du SommelierVielleicht Holzbrücke mal abfackeln

Kabarettistische Lesung im Caveau du Sommelier, Olten

Unter dem Patronat der Buchmesse Olten gastierte Thomas C. Breuer in Begleitung des Gitarristen Pink Pedrazzi im Caveau du Sommelier und gab eine begeisternde Kostprobe seines literarischen und kabarettistischen Könnens, inhaltlich abgestützt auf sein kürzlich in der Knappsches Perlen-Reihe erschienenen Büchlein «Gubrist, mon amour.»

Es war dies ein vergnüglicher Sonntagabend im Caveau, an dem Thomas C. Breuer, Literat und Kabarettist, aus deutscher Sicht genussvoll ironisch schweizerische Gewohnheiten und Eigenheiten beleuchtete. In seiner ersten Schilderung «Discover Switzerland» sinnierte er über eigenwillige Benennungen auf zufällig entdeckten Tafeln und Schildern, manchmal in einem eigenwilligen Frühenglisch, wie er meinte, die ihn zu ungewohnten Gedankenassoziationen aktivierten.

Long-Distance-Train

Auch die Durchsage «Long-distance train to Lucerne» begeisterte ihn. Er entdeckte auf eine besondere Art - aus breuerschen Blickwinkeln - Interlaken, wo eine Tafel verkündete, dass man in der Tat Deutsch spreche; in Olten erfuhr er Verknotetes über den Knotenpunkt. Dietikon zeichnete sich durch einen besonders hohen Inländeranteil aus. Zürich animierte ihn zum Kauf einiger Bilder aus der Bührle Sammlung, bevor er ins Bündnerland weiter reiste, in Chur ein Sandwich mit Verfalldatum ergatterte und Arosa mit Davos verwechselte. Im Text «Gubrist, mon amour» schwärmte er für die Tunnelleidenschaft der Schweizer, für ihre Bohrbesessenheit, wobei er auch die Viadukte gelten liess.

Liebenswürdigerweise be-fasste er sich in weiteren Texten mit Olten, und durchforstete den Knotenpunkt bis in alle Einzelheiten. Was Kloten für Zürich ist Knoten für Olten - sinnierte er. Schon 1858 sei der Anschluss an das internationale Schienennetz erfolgt, es ging praktisch bis in den Kanton Aargau. 1110 Züge durchquerten den Bahnknotenpunkt täglich, und das Internet melde 31 000 Ein-, Aus- und Umsteiger pro Tag; Olten besässe auch einen Kilometer-Null-Stein und die Bahnhofunterführung sei neu Martin Disteli gewidmet, dem Zeichner und Karikaturisten, der ein höchst unbequemes Oltner Kind gewesen sei und die Pfaffen hasste. Kleine «Monümenteli» am Aarequai präsentierten zum Gedenken einen Maler, nebst einem Bundespräsidenten, einen Geschichtsschreiber und einen Central-Bahn-Direktor, alle auf einem Stein verewigt. Unweit des Bahnhofs befände sich die alte Holzbrücke, und er meinte, vielleicht sollte man die einmal so grandios abfackeln wie die Luzerner 1993 ihre Kapellbrücke, damit beherrsche man lässig die Abendnachrichten des In- und Auslandes für mindestens zwei Tage!

Feinheiten der Sprache

Nach diesem Abstecher durch Olten befasste er sich als Deutscher mit der Feinheit der Sprache, mit den raffinierten Unterschieden vor allem im Gebrauch der Präpositionen zwischen der Schweiz und Deutschland. Zu, an, nach, ab, auf hätten im Sprachgebrauch ganz unterschiedliche Bedeutungen. Unzählige überzeugende Varianten an Feinheiten fielen ihm ein, die zur Belebung des Denkapparates führten. Ja, die Liebe der Schweizer zu den Deutschen sei eine besondere, in den Spitälern häuften sich deutsche Ärzte und deutsches Pflegepersonal, was aber nicht so ins Gewicht falle, da auch die Patienten in den Kliniken meistens Deutsche seien.

Man spürte seinen originellen Texten an, dass er mit der Schweiz bestens vertraut ist, dass er viele Dinge kennt, und zu unserem Trost manchmal auch einfach aus dem Blickwinkel eines Deutschen sieht, und dies gab dem Publikum eine kleine Chance des Rückzugs. Es ist nicht alles Gold, was glänzt, aber auch nicht alles Blech, was man so hört und in dieser Mischung von Höhen und urkomischen Tiefen erlebte man eine ungemein witzige, temperamentvolle, unterhaltsame Lesung über schweizerische Eigenheiten, die nun mal so sind, uns oft ebenfalls ärgern, und die man doch nicht missen möchte, weil sie typisch sind und mit unserer Identität zu tun haben.

Schluss mit Hühnern

Köstlich war der Schluss mit den Hühnern, zu Federn oder Poulets verarbeitet, europagerecht vermarktet, überall hin verkauft, unsere wunderbaren Schweizer Hühner! Der Vergleich würde sich auch nahtlos auf andere Dinge übertragen lassen. Ein Genuss zum Schluss als Zugabe war die schlürfende, schluckende und verbal hochkarätig kommentierte Weindegustation zweier Kenner zu erleben, und erst noch in einem Weinkeller!

Leicht melancholisch

Wirkungsvoll, leicht melancholisch angehaucht erlebte man den musikalischen Schluss-punkt von Pink, der durch den ganzen Abend hindurch die Lesung musikalisch berührend und vertieft begleitete. Ob er auf seiner kleinen Ukulele spielte oder auf der Gitarre, Pink Pedrazzis Lieder, amerikanisch angehaucht, lockerten die Lesung vergnüglich auf. Es war dies ein gelungener, geistreicher und witziger Abend, den das Publikum im Caveau du Sommelier sehr genoss.


Capus kam für Supino

Im Rahmen der Buchmesse Olten fand am Sonntag, 28 Februar im Caveau du Sommelier die erste Lesung in diesem Jahr statt. Ursprünglich wollten die beiden Solothurner Franco Supino und Reto Stampfli die schönste Barockstadt ins rechte Licht rücken. Wegen eines Todesfalls in der Familie musste Supino die Lesung absagen.

Kurzfristig eingesprungen ist Alex Capus. Er und Reto Stampfli lasen einige Geschichten und parlierten lustvoll über Solothurn und Olten.

Die Ausgangslage war klar: Solothurner sind anders als Oltner. Solothurner sind eben Kantonshauptstädter. In Solothurn haben es Kulturschaffende einfacher. Die Solothurner Fasnacht ist eh die beste. Solothurn hat eine Kathedrale. Solothurn hat eine weltbekannte Torte. Solothurn hat die schönste Barockstadt der Schweiz. Solothurn ist Sitz der Kantonsregierung. In Solothurn lebt der Bischof. Solothurn ist eben anders. Ganz anders als Olten. Ganz anders?
Man durfte gespannt sein, wie Capus und Stampfli, der – natürlich in Solothurn – als Religions-, Philosophie- und Deutschlehrer arbeitet, die fast 40 Kilometer zwischen Olten und Solothurn überbrücken werden.

Caveau du Sommelier
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